Nachfolgender Text ist aus einem fast 200 Jahre alten Lexikon entnommen.
Die Orthographie der Zeit wurde nicht verändert.

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Der Baum.

Gewächse, die mit Stamm und Ästen mehre Jahre dauern, und deren Wurzel, Stamm und Zweige holzig sind. Gewöhnlich hat ein Baum einen Stamm, der sich nur oben in Äste und Zweige verbreitet, dagegen der Strauch mehre Stämme aus einer Wurzel treibt, zum Theil auch von unten auf mit Ästen und Zweigen besetzt ist. Beide Gewächsarten gehen in einander über, und mancher Strauch bildet sich unter gewissen Umständen entweder von selbst oder mit Hülfe des Menschen zum Baum, sowie umgekehrt mancher eigentliche Baum unter Umständen zu einem Strauch wird. Der Baumstamm, sowie die im Bau ihm ganzen ähnlichen Äste und Zweige, bestehen aus verschiedenen Lagen, wovon die 1. die Rinde , die 2. das Holz und die 3. das Mark genannt wird.

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So lange der Baumstamm überhaupt oder ein Baumzweig insbesondere noch jung und weich ist, dehnt er sich in die Länge und Dicke aus; wird er aber allmälig härter, welches von unten nach oben geschieht, so nimmt die Ausdehnung in die Länge immer mehr ab und hört endlich bei vollkommener Verhärtung ( Verholzung ) ganz auf. Alles völlig ausgebildete Holz dehnt sich weder in die Länge noch in die Dicke weiter aus. Dennoch nimmt sowol der Stamm als die Äste an Dicke zu. Dies geschieht aber durch keine Ausdehnung von Innen nach Außen, sondern dadurch, daß sich neue Holzlagen von Außen ansetzen. Diese Holzlagen bilden sich aus der Rinde, deren das Holz zunächst umgebende Theil (Bast ) sich zu ganz dünnen und feinen Blättchen verdicken, welche den sogenannten Jahresring bilden

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Wenn man einen von aller Rinde entblößten Baumstamm mit Stroh dergestalt umwindet, daß dieses noch einen Raum zwischen sich und dem Stamme läßt, alles Eindringen der Luft und Sonne aber verhindert wird, so bildet sich nach zwei Jahren aus den gallertartigen Erhebungen, die aus den Fibern des Splints hervortreten, eine neue Rinde

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Auch an Höhe und Größe der Krone nimmt der Baum jährlich zu. Dies geschieht aber ebenfalls, wie bei dem Zunehmen an Dicke, durch ein wirkliches Hinzukommen neuer Theile, die sich den alten ansetzen. Die dünnen jährigen Zweige führen nämlich den an ihnen befindlichen Augen oder Blattknospen Nahrungssäfte zu, wodurch dieselben zu neuen Zweigen ausgebildet werden, welche sich so lange nach allen Richtungen ausdehnen, bis sich allmälig von unten nach oben verhärten. Auf diese Weise lebt oder wächst der Baum fort, bis er allmälig abstirbt…………..
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Quelle: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände (Conversations Lexikon). In zwölf Bänden. Erster Band A bis Bl. Siebte Originalauflage. Leipzig. Brockhaus, 1830. Halbleder.       Preis: 350,00 €

 

Die Bilder zeigen übrigens Robinien auch Scheinakazien genannt. Die Bäume stehen am Anfang der Alexanderstraße vor der Firma Trendwende gegenüber dem Seiteneingang zum Gertrudenfriedhof. Im Mai wird der süßliche Duft der weißen großen Blütentrauben uns Radfahrer wieder betören.

Die AutofahrerInnen bekommen davon nichts ab……….

Photos : Michael Deblitz

 

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Der Baum